Vom 3. November bis zum 15. Dezember 2013 hatte ich die einmalige Gelegenheit, die Schwestern vom Hl. Kreuz in der Provinz Nordindien zu besuchen. 220 Schwestern arbeiten in fünf Bundesstaaten in ca. 25 Gemeinschaften in der Pastoral, in der Erziehung, in der Gesundheitsfürsorge auf den Dörfern, als Lehrerinnen, als Krankenschwestern in ambulanten Einrichtungen, Krankenhäusern und Hospizen.

Im Zentrum ihres Dienstes stehen dabei immer die benachteiligten Mädchen, Frauen und Familien, die durch Aufklärung, allgemeine und religiöse Bildung und konkrete Hilfen befähigt werden sollen, Analphabetismus, Diskriminierung, Krankheit, Armut und Ausbeutung zu überwinden und in ihrer Glaubensfähigkeit zu wachsen.

Meine erste Station war Delhi, die Hauptstadt Indiens, mit 16,3 Mio. Einwohnern. Die Schwestern leiten dort ein Hospiz mit 40 Betten für Krebspatienten im letzten Stadium. Neben Schmerztherapie, Pflege, gutem Essen und menschlicher Begleitung, die die Kranken dort erhalten, versuchen die Schwestern, den Patienten auch ab und zu eine besondere Freude zu bereiten: So wurde das große Lichterfest der Hindus (Diwali) mit Liedern, Feuerwerk und den typischen indischen Süßigkeiten ausgiebig gefeiert.

Ein Lichtermandala zum Diwali-Fest im Krankensaal des Hospizes

In Khairabad, in einer armen Gegend im Bundesstaat Uttar Pradesh haben die Schwestern in einer unwirtlichen Gegend ein Krankenhaus aufgebaut mit einer Krankenpflegeschule, einem Tuberkulose- und einem Leprazentrum. Inzwischen gibt es auch eine Grundschule einschl. zwei Kindergartenklassen, eine „Gemeinde-Schule“, wo Frauen ausgebildet werden, damit sie in den Dörfern Hygiene- und Gesundheitsvorsorge leisten können und eine Unterkunft für Straßenmädchen.

Eine Mutter mit ihren drei Kindern auf dem Dorf in Khairabad

Im Leprazentrum lernen die Patienten wie sie im Alltag richtig mit ihrer Krankheit umgehen können, damit es nicht zu Infektionen und Folgeschäden kommt. Sie helfen bei der Gartenarbeit und bei der Versorgung der Kleintiere (Geflügel usw.) mit.

Im Lepra-Zentrum wird gerade das Mittagessen gekocht aus den Zutaten vom eigenen Garten.

In Lucknow habe ich im Provinzhaus die herzliche Gastfreundschaft der indischen Mitschwestern genossen. Lucknow ist die Hauptstadt von Uttar Pradesh und hat 2,9 Millionen Einwohner. Sie wirkt eher wie eine Kleinstadt, ist dörflich geprägt, weil viele Landbewohner (mit ihren Kühen und anderen Tieren) in die Stadt ziehen. Lucknow hat viele interessante Sehenswürdigkeiten. Die meisten Bauwerke stammen aus der Herrscherzeit der muslimischen Maharadschas.

Einen Monat habe ich im Mumbai (früher Bombay - übersetzt: schöne Bucht) verbracht. Mumbai liegt auf einer Halbinsel im arabischen Meer, im Stadtzentrum wohnen 12,5 Mio Menschen, mit den Vorstädten sind es 18,4 Mio. Die Hälfte davon etwa wohnt in den Slums.

Das Hospiz Shanti-Avedna-Sadan (ein Zuhause in Frieden, ohne Schmerzen) kann bis zu 100 Patienten aufnehmen und ist ein sehr helles, freundliches Gebäude. Das Hospiz wird von einer Stiftung betrieben, die Patienten erhalten die Behandlung, Pflege und Versorgung umsonst.

In Mumbai herrscht das ganze Jahr warmes Meerklima, vom Hospiz aus hat man immer einen Blick auf die Palmen und den Ozean.

Sonnenuntergang von der Dachterrasse des Hospizes aus

Im Hospiz arbeiten acht Schwestern vom Hl. Kreuz, sie werden von angestellten Krankenschwestern, Hauswirtschaftskräften und anderen Bediensteten unterstützt. Es helfen auch viele Ehrenamtliche mit. Ich habe bei den Wundverbänden und Pflegemaßnahmen assistiert und die Schwerkranken besucht und mit ihnen gebetet.

Im Gebet mit Maria, einer Katholikin. In Mumbai sind nur ca. 4% Christen.
Die stärkste Religion sind die Hindus, gefolgt von den Muslimen.

Ich habe in Indien die Vielfalt und die großen Gegensätze eines Landes erlebt, in dem ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt. Indien ist bunt, lebendig und hat viele Schönheiten in Landschaft, Natur, Kultur und Architektur zu bieten. Indien hat aber auch große Herausforderungen zu bewältigen wie z. B. das Bevölkerungswachstum, Knappheit an Wasser und Ressourcen, Armut und Gewalt, Umweltverschmutzung, Diskriminierung der Frauen. Die Kirchen und die Orden leisten dazu einen großen Beitrag, vor allem im Bildungs- und Gesundheitswesen.

Wer unsere Schwestern in Indien konkret finanziell unterstützen möchte findet dazu Infos unter „Wir über uns“ Rubrik „Spende“

Herzlichen Dank!